Nachtziellösungen für eine akute Bestandskontrolle im Seuchenfall

Ein Beitrag über technische Lösungsansätze befreit von traditionellen Bewertungen.

Die technische Anforderung ist hierbei eine rasche und effektive Bejagung von Schwarzwild im Nachteinsatz bei akuter Androhung einer Tierseuche.
Insbesondere im Zusammenhang der sich derzeit verbreitenden Afrikanischen Schweinepest  (ASP)1 werden unterschiedliche Lösungen diskutiert und z.T. schon behördlich genehmigt, wie z.B die Verwendung von Taschenlampen sowie “dual-use” Nachtsichtvorsatzgeräte (Optiken die vor ein herkömmliches Zielfernrohr geklemmt werden) im Nürnberger Land.

“Wir geben an dieser Stelle zu bedenken, dass jedliche Genehmigungen, ausgestellt von Landratsämtern oder sonstigen Behörden auf Landesebene, momentan KEINER bundesweiten Gesetzesgrundlage entsprechen und somit nicht rechtskräftig sind!” Daher macht sich jeder strafbar, der eine “Nachtsichtoptik” auf eine Zieloptik oder Schusswaffe in der BRD montiert!

Folgend finden Sie eine Gegenüberstellung technischer Lösungen mit anschließender Bewertung.

Technische Grundlagen:

1. Taschenlampe

Jagen-mit-Tachenlampe

Anschaffungskosten: niedrig
Reichweite: niedrig
Einsatzbewertung: niedrig

2. Restlichtverstärker Vorsatzoptik

Jahnke-DJ-8
Bsp. Jahnke DJ-8 NSV Hergestellt von Befort in Wetzlar

Anschaffungskosten: hoch
Reichweite: mittel, IR Aufheller abhängig
Einsatzbewertung: mittel

3. Wärmebild Vorsatzoptik

Pulsar-Core-FXD38
Bsp. Pulsar Core FXD-38

Anschaffungskosten: mittel/hoch
Reichweite: mittel/hoch
Einsatzbewertung: mittel

4. Restlichtverstärker Zieloptik

Restlichtverstärker Zieloptik
Hersteller unbekannt

Anschaffungskosten: mittel/hoch
Reichweite: mittel/hoch IR Aufheller abhängig
Einsatzbewertung: hoch

5. Wärmebild Zieloptik

Wärmebildzieloptik
LIEMKE Sperber-35/E

Anschaffungskosten: mittel/hoch
Reichweite: hoch
Einsatzbewertung: hoch

Der Vergleich:

Nachtzieloptiken

Unsere Empfehlung:

Betrachten wir die Einsatzeffizienz, ist die optimale technische Lösung eine Wärmebildzieloptik. Detektionsreichweite und Detektionsgeschwindigkeit sind in einem optimalen Leistungs-Gewichtsverhältnis. Technisch bedingte Treffpunktabweichungen sind im Vergleich anderen Nachtziellösungen am geringsten und vergleichbar einer herkömmlichen Tageszieloptik. Somit ist die Wärmebildzieloptik auch die weidgerechteste2)  Lösung.
Einsatzdistanzen bis 150m können selbst mit einer 35mm Objektivlinse weidgerecht ausgeführt werden. Eine Detailerkennung im Vergleich eines Restlichtverstärkers, ist bei der Schwarzwildbejagung zu vernachlässigen, es gilt: Klein vor Groß und nicht führend.
Desweiteren lässt sich die Rottenstruktur durch die Bewegungsabläufe, inbesondere die der Leitbache, meist schnell und einfach erkennen. Hierbei sind Optiken mit kleinstem Pixel Pitch auf Grund der hohen Detailschärfe, zu empfehlen.
Die Konfiguration einer “Nachtbüchse” ist ratsam. Man sollte das hin- und herstecken von Optiken auf unterschiedliche Plattformen aufgrund unnötiger Variablen unterlassen. Die Verwendung eines Schalldämpfers ermöglicht eine bessere Wahrnehmung des Kugelschlages und schont Gehör von Jäger und Hund.
Die Anschaffung von Optiken, hergestellt aus einem Spritzgussgehäuse, sehen wir kritisch.
Herkömmliche Zieloptiken bestehen aus einem Aluminium-Korpus, die Linsen sind verschraubt, nicht verklebt.
Die dauerhafte Rückstossimpulsbelastung bei einer Zieloptiken ist nicht zu unterschätzen!

Wenn im Rahmen von Seuchen eine akute Bestandsreduktion zur Vermeidung erheblicher wirtschaftlicher Schäden unumgänglich, ist der Gesetzgeber angehalten eine rasche Gesetzesanpassung vorzunehmen, z.B. die Erlaubnis von Nachtzieloptiken vgl. der rechtlichen Handhabung eines Schalldämpfers, somit: Beantragung mit Bedürfnisnachweis z.B. Pachtschein, dann Voreintrag und Erwerb.

Bejagungskonzepte

Die Verstärkung von Gesellschaftsjagden sehen wir als sinnige Ergänzung, aber nicht als alleinigen Lösungsansatz.  Betrachtet man die Betriebskosten einer Gesellschaftsjagd mit den damit verbundenen Risiken für Hunde, Treiber und Jäger, ist diese Jagdform die unwirtschaftlichste Lösung im Vergleich der Genehmigung von Nachtzieloptiken.
Halbherzige Lösungen wie die Erlaubnis von Taschenlampen, sind nicht weidgerecht und kurzsichtig gedacht.
Nachhaltigkeit im jagdlichen Geschehen verpflichtet zu einem präventiven Handeln und nicht zu einem kurativen Aktionismus!
ASP verursacht bei den betroffenen Tieren erhebliches Leiden, hoffen wir, dass die behördlichen Entscheider die Tierschutzrechte über die aktuellen Jagd- sowie Waffenrechte stellen.

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1) ASP Afrikanische Schweinepest
Erstmalig 2014 in der EU (Litauen) nachgewiesen.  Eine Ansteckungsgefahr für den Menschen und für Hunde besteht nicht. Letzte Meldungen (Stand 18.12), bestätigt den Virus in Tschechien, somit ca. 300 km Entfernung zu der BRD. Ein Impfstoff ist nicht vorhanden. Sollte sich die Afrikanische Schweinepest in der BRD ausbreiten, wird der wirtschaftliche Schaden durch die Übertragung auf Nutzvieh, hier am Beispiel von Niedersachsen mit der höchsten BRD Mastschweindichte von 8,7 Millionen Schweinen, mit ca. 170 Millionen EURO, bei einer Ausfallbewertung je Schwein von 20 EUR, beziffert. Nach Aussage des FLI Friedrich-Loeffer-Instituts (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) Zitat 3) : “Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion von Haus-oder Wildschweinen mit ASP kann nicht bestimmt werden, ist aber nicht vernachlässigbar”.
Zitat 3) : “Geht man davon aus, dass die Jahresstrecke von Schwarzwild (610.631 Stück im Jahr 2015/2016) auf einer Herausnahme von 25-30% der Gesamtpopulation beruht, so muss man annehmen, dass in Deutschland ca. 2 Millionen Wildschweine existieren.”

Merkblatt für Jäger über die ASP finden Sie hier:

Weiterführende Informationen zum Thema Afrikanische Schweinepest finden Sie hier:

2) Weidgerecht
Weidgerechtigkeit ist aus unserer Sicht das präzise antragen eines rasch streckenden Schusses mit kürzester Fluchtstrecke. Geschossen wird Nachts bis max. 150m und gejagt wird ausschließlich auf Schwarzwild, Punkt

3) Quelle:
Qualitative Risikobewertung zur Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest aus Verbreitungsgebieten in Europa nach Deutschland (FLI Institut).